Altersvorsorge 2027: Gesetzliche Rente, Riester, bAV und Basisrente kombinieren
Eine tragfähige Altersvorsorge besteht häufig aus mehreren Bausteinen. So lassen sich gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, Riester Förderung, Basisrente und flexible Geldanlage sinnvoll einordnen.
Kurz erklärt: Eine sinnvolle Altersvorsorge besteht häufig nicht aus einem einzigen Produkt. Ausgangspunkt ist die voraussichtliche gesetzliche Rente. Ergänzend können eine betriebliche Altersvorsorge, eine geförderte private Altersvorsorge, eine Basisrente und flexibel verfügbares Vermögen genutzt werden. Welche Kombination passt, hängt von Einkommen, Beruf, Förderung, Kosten, Anlagehorizont und gewünschter Flexibilität ab.
Warum reicht ein einzelner Vorsorgebaustein häufig nicht aus?
Die gesetzliche Rentenversicherung bildet für viele Menschen das wichtigste Fundament der Altersversorgung. Sie deckt zusätzlich Risiken wie Erwerbsminderung und Hinterbliebenenversorgung ab.
Ob die spätere gesetzliche Rente für den gewünschten Lebensstandard ausreicht, ist jedoch eine individuelle Frage. Die Deutsche Rentenversicherung verweist auf das Modell aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge.
Im ersten Schritt sollte deshalb nicht nach einem bestimmten Produkt gesucht werden. Zunächst ist zu klären, welches Einkommen im Ruhestand benötigt wird und welche Ansprüche bereits bestehen.
Mit unserem Rentenlückenrechner lässt sich die mögliche Differenz zwischen gewünschtem Alterseinkommen und vorhandenen Ansprüchen überschlägig ermitteln.
Baustein 1: Gesetzliche Rentenversicherung
Die gesetzliche Rente bleibt für die meisten Arbeitnehmer die Basis. Die persönliche Renteninformation zeigt die bisher erworbenen Ansprüche und eine Hochrechnung der möglichen Altersrente.
Bei der Einordnung sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
- das voraussichtliche Renteneintrittsalter,
- mögliche Abschläge bei früherem Rentenbeginn,
- nicht durchgehend versicherte Zeiten,
- Inflation und Kaufkraft,
- die steuerliche Behandlung der späteren Rente,
- Absicherung bei Erwerbsminderung und für Hinterbliebene.
Wie die gesetzliche Rente grundsätzlich berechnet wird, erläutert die FAQ Wie wird die gesetzliche Rente berechnet?.
Warum trotz gesetzlicher Rente eine Lücke entstehen kann, zeigt der Beitrag Reicht die gesetzliche Rente?.
Baustein 2: Betriebliche Altersvorsorge
Arbeitnehmer haben grundsätzlich das Recht, Teile ihres künftigen Bruttogehalts über eine Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung einzusetzen.
Soweit der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart, muss er grundsätzlich einen Zuschuss von 15 Prozent leisten. Tarifvertragliche Abweichungen sind möglich. Manche Arbeitgeber zahlen freiwillig mehr oder finanzieren die Versorgung vollständig.
Vor einer Entscheidung sollten geprüft werden:
- Höhe des Arbeitgeberzuschusses,
- Kosten und garantierte Leistungen,
- Anlageform und Renditechancen,
- Folgen eines Arbeitgeberwechsels,
- spätere Steuern und mögliche Sozialabgaben,
- Auswirkungen der Entgeltumwandlung auf gesetzliche Sozialleistungen.
Ein hoher freiwilliger Arbeitgeberbeitrag kann die betriebliche Altersvorsorge attraktiver machen. Bei einer überwiegend selbst finanzierten Entgeltumwandlung ist eine vollständige Gesamtbetrachtung notwendig.
Weitere Informationen enthält der Beitrag Betriebliche Altersvorsorge einfach erklärt.
Baustein 3: Riester und die neue Förderung ab 2027
Ab dem 1. Januar 2027 können Anbieter neue geförderte Altersvorsorgeprodukte anbieten. Dazu zählen Garantieprodukte und Altersvorsorgedepots ohne Garantie.
Die Förderung wird bei neuen Verträgen beitragsbezogen berechnet. Nach den veröffentlichten Regelungen beträgt die Grundzulage:
- 50 Cent je eingezahltem Euro für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag,
- 25 Cent je eingezahltem Euro für weitere Beiträge bis insgesamt 1.800 Euro,
- maximal 540 Euro Grundzulage im Jahr.
Für Kinder kann zusätzlich eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind erreicht werden. Bestehende Riester Verträge können grundsätzlich unter den bisherigen Regeln fortgeführt oder in das neue System übertragen werden.
Ein Wechsel ist nicht automatisch vorteilhaft. Vorher sollten Garantien, vorhandenes Vertragsguthaben, Kosten, Förderhöhe, Laufzeit und Anlagechancen verglichen werden.
Hilfreiche Einordnungen:
- Altersvorsorgedepot 2027 einfach erklärt
- Riester Vertrag 2027 behalten oder wechseln?
- Riester Anbieter wechseln: Kosten und Zulagen
Baustein 4: Basisrente
Die Basisrente wird auch Rürup Rente genannt. Sie gehört steuerlich zur Basisversorgung und kann besonders für Selbstständige oder Personen mit hoher Steuerbelastung relevant sein.
Beiträge können im Rahmen der gesetzlichen Voraussetzungen als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Dafür ist das Kapital stark gebunden. Eine Basisrente sieht grundsätzlich eine lebenslange monatliche Rente vor. Eine freie Kapitalauszahlung, Beleihung oder Übertragung auf einen neuen geförderten Altersvorsorgevertrag ist nicht vorgesehen.
Entscheidende Prüfpunkte sind:
- tatsächlicher steuerlicher Vorteil,
- Kosten des Vertrags,
- Anlageform,
- Dauer bis zum Rentenbeginn,
- eingeschränkte Verfügbarkeit,
- Regeln für Hinterbliebene,
- erwartete spätere Besteuerung.
Eine verständliche Einordnung bietet der Beitrag Basisrente einfach erklärt.
Baustein 5: Flexible Geldanlage und Rücklagen
Nicht jeder Euro sollte langfristig in einem unflexiblen Vorsorgevertrag gebunden werden. Zusätzlich können liquide Rücklagen und eine breit gestreute Geldanlage sinnvoll sein.
Dieser Baustein kann für ungeplante Ausgaben, Immobilien, berufliche Veränderungen oder einen flexibleren Übergang in den Ruhestand genutzt werden. Im Gegensatz zu staatlich geförderten Vorsorgeprodukten besteht häufig mehr Verfügbarkeit. Dafür fehlen je nach Anlageform Förderung, Garantien oder eine automatisch lebenslange Auszahlung.
Auch hier müssen Kosten, Risiken, Steuern und der persönliche Anlagehorizont berücksichtigt werden.
Welche Reihenfolge ist sinnvoll?
Eine mögliche Prüfstruktur besteht aus sechs Schritten:
- Gesetzliche und betriebliche Ansprüche erfassen.
- Gewünschtes Nettoeinkommen im Ruhestand festlegen.
- Inflation und mögliche Steuerbelastung berücksichtigen.
- Voraussichtliche Rentenlücke berechnen.
- Arbeitgeberzuschüsse und staatliche Förderung prüfen.
- Verbleibenden Vorsorgebedarf auf passende Bausteine verteilen.
Dabei sollten Schutz und Vermögensaufbau getrennt betrachtet werden. Eine Altersvorsorge ersetzt beispielsweise nicht automatisch eine ausreichende Absicherung der Arbeitskraft oder eine kurzfristig verfügbare Notfallreserve.
Welche Kombination passt zu welcher Situation?
| Ausgangssituation | Besonders zu prüfende Bausteine |
|---|---|
| Arbeitnehmer mit hohem Arbeitgeberzuschuss | Gesetzliche Rente und betriebliche Altersvorsorge |
| Familie mit Kindern | Geförderte private Altersvorsorge und Kinderzulagen |
| Selbstständige | Basisrente, neue Förderung ab 2027 und flexible Geldanlage |
| Hohe Steuerbelastung | Steuerlich geförderte Vorsorge nach Gesamtprüfung |
| Kurzer Zeitraum bis zur Rente | Kosten, Garantien und verbleibende Laufzeit |
| Hoher Bedarf an Flexibilität | Liquiditätsreserve und flexibel verfügbares Vermögen |
Diese Tabelle ist keine Produktempfehlung. Innerhalb jeder Gruppe können Einkommen, Vertragskosten, Lebensplanung und Risikobereitschaft zu einem anderen Ergebnis führen.
Fazit
Die Altersvorsorge 2027 sollte als Gesamtsystem betrachtet werden. Die gesetzliche Rente bildet häufig das Fundament. Arbeitgeberzuschüsse und staatliche Förderung können ergänzende Lösungen attraktiver machen. Gleichzeitig müssen Kosten, Steuern, Risiken und eingeschränkte Verfügbarkeit geprüft werden.
Der erste konkrete Schritt ist die Ermittlung der persönlichen Rentenlücke. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge, Riester Förderung, Basisrente und flexiblem Vermögensaufbau sinnvoll sein kann.
Stand: 11. September 2026. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer, Rechts, Anlage oder Versicherungsberatung.
Quellen
Quellen & Transparenz
Hinweis & Transparenz
Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersten Orientierung. Sie stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung, Rechtsberatung oder Versicherungsberatung dar. Ob eine Förderung, ein Steuervorteil, ein Wechsel oder eine andere Vorsorgeentscheidung sinnvoll sein kann, hängt von deiner persönlichen Situation und dem konkreten Vertrag ab und sollte individuell geprüft werden.