Altersvorsorgedepot 2027 einfach erklärt: Chancen, Risiken und Förderung
Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine stärker kapitalmarktorientierte Form der geförderten privaten Altersvorsorge ermöglichen. Wir erklären verständlich, wie das Depot funktioniert, welche Rolle ETFs und Fonds spielen und welche Chancen und Risiken Sparer kennen sollten.
Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 eine neue Möglichkeit der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge bieten. Anders als klassische Garantieprodukte kann es stärker in Fonds und ETFs investieren. Dadurch entstehen höhere Renditechancen, aber auch größere Wertschwankungen und Verlustrisiken.
Stand: 11. September 2026. Die konkrete Ausgestaltung einzelner Produkte hängt vom jeweiligen Anbieter und den gesetzlichen Vorgaben ab.
Kurz erklärt: Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Altersvorsorgevertrag ohne verpflichtende Kapitalgarantie. Das angesparte Vermögen kann innerhalb der gesetzlichen Vorgaben in geeignete Fonds und ETFs investiert werden.
Weil der Anbieter nicht zu jedem Zeitpunkt einen bestimmten Mindestbetrag garantieren muss, kann ein größerer Teil des Geldes am Kapitalmarkt angelegt werden. Das kann langfristig bessere Ertragschancen eröffnen. Gleichzeitig kann der Wert des Depots fallen – besonders bei Kurseinbrüchen oder wenn das Geld zu einem ungünstigen Zeitpunkt benötigt wird.
Das Altersvorsorgedepot ist deshalb kein gewöhnliches, frei verfügbares Wertpapierdepot. Es bleibt ein geförderter Altersvorsorgevertrag mit gesetzlichen Regeln zur Förderung, Verwendung und Auszahlung.
Welche Produkte soll es ab 2027 geben?
Die Reform unterscheidet mehrere grundlegende Varianten:
| Variante | Garantie | Anlage und Steuerung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Altersvorsorgedepot | keine verpflichtende Kapitalgarantie | Anlage in zulässige Fonds und ETFs möglich | höhere Chancen, aber auch unmittelbare Kapitalmarktrisiken |
| Standarddepot | keine verpflichtende Kapitalgarantie | zwei vorgegebene Fonds mit automatischer Umschichtung | vereinfachte Variante mit begrenzten Effektivkosten |
| Garantieprodukt | 80 Prozent | Anbieter sichert einen Teil der Beiträge zum Ende der Ansparphase | Mittelweg zwischen Sicherheit und Renditechance |
| Garantieprodukt | 100 Prozent | vollständige Beitragsgarantie zum Ende der Ansparphase | stärkere Sicherheit, häufig geringere Freiheit bei der Kapitalanlage |
Die Garantie bezieht sich grundsätzlich auf einen bestimmten Zeitpunkt und bedeutet nicht, dass der Vertragswert während der gesamten Laufzeit unverändert bleibt.
Was ist das Standarddepot?
Das Standarddepot ist eine vereinfachte Form des Altersvorsorgedepots. Es soll sich besonders an Menschen richten, die gefördert vorsorgen möchten, aber keine einzelnen Fonds auswählen wollen.
Nach den veröffentlichten Informationen werden zwei Fonds vorgegeben: eine vorsichtigere und eine chancenorientiertere Variante. Vor Beginn der Auszahlungsphase soll das Kapital schrittweise stärker in den risikoärmeren Fonds umgeschichtet werden, sofern der Sparer keine andere zulässige Aufteilung wählt.
Diese automatische Anpassung kann das Risiko kurz vor dem Ruhestand reduzieren. Sie kann Verluste jedoch nicht vollständig ausschließen.
Für das Standarddepot sollen die Effektivkosten so begrenzt werden, dass die durchschnittliche jährliche Renditeminderung höchstens ein Prozent beträgt. Diese Kostengrenze gilt speziell für das Standarddepot und nicht automatisch für jedes Altersvorsorgedepot.
Sind ETFs im Altersvorsorgedepot möglich?
Grundsätzlich soll eine Anlage in Fonds und ETFs möglich sein. Das bedeutet aber nicht, dass jeder beliebige ETF für einen geförderten Vertrag genutzt werden kann. Entscheidend sind die gesetzlichen Anlagevorgaben und das konkrete Angebot des jeweiligen Anbieters.
Vor einem Abschluss sollten Sparer deshalb prüfen:
- welche Fonds und ETFs tatsächlich angeboten werden,
- wie breit die Anlagen gestreut sind,
- welche laufenden Kosten entstehen,
- ob Umschichtungen zusätzliche Kosten verursachen,
- wie das Risiko vor der Auszahlungsphase reduziert wird,
- ob eine eigene Fondsauswahl möglich ist.
Ein ETF im Produktnamen allein sagt noch nichts über die gesamte Kostenbelastung oder die Qualität des Vertrags aus.
Wie wird das Altersvorsorgedepot gefördert?
Das Altersvorsorgedepot soll Teil des neuen Systems der geförderten privaten Altersvorsorge werden. Die Förderung soll sich ab 2027 stärker an den eingezahlten Beiträgen orientieren. Für Familien können zusätzliche Kinderzulagen relevant sein.
Die Einzelheiten zur Grundzulage, Kinderzulage und zum erforderlichen Eigenbeitrag erklären wir im Beitrag Riester-Förderung 2027: Grundzulage, Kinderzulage und Eigenbeitrag.
Mit dem Förderrechner lässt sich eine erste Orientierung zur möglichen Förderung ermitteln. Das Ergebnis ersetzt keine individuelle steuerliche oder vertragliche Prüfung.
Wie werden Erträge und Auszahlungen behandelt?
Während der Ansparphase sollen Erträge innerhalb des geförderten Vertrags grundsätzlich nicht laufend besteuert werden. Die Leistungen werden später in der Auszahlungsphase nachgelagert besteuert.
Für die Auszahlung sind insbesondere zwei Wege vorgesehen:
- eine lebenslange Rentenzahlung,
- ein Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reicht.
Bei einem Auszahlungsplan kann verbleibendes Kapital grundsätzlich vererbbar sein. Nach dem Ende des Auszahlungsplans folgen allerdings keine weiteren Zahlungen. Eine lebenslange Rente sichert dagegen das sogenannte Langlebigkeitsrisiko ab, ist aber nicht automatisch vererbbar.
Welche Risiken hat das Altersvorsorgedepot?
Die fehlende Kapitalgarantie ist zugleich Chance und Risiko. Steigende Kapitalmärkte können den Vertragswert erhöhen. Schwache Börsenphasen können dagegen zu Verlusten führen.
Wichtige Risiken sind:
- Kursschwankungen während der Laufzeit,
- Verluste kurz vor Beginn der Auszahlung,
- ungeeignete oder zu einseitige Fondsauswahl,
- hohe Vertrags-, Fonds- oder Wechselkosten,
- ein zu kurzer Anlagehorizont,
- emotionale Fehlentscheidungen bei fallenden Märkten.
Eine automatische Umschichtung kann Risiken reduzieren, aber keine positive Rendite garantieren.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Ein bestehender Riester-Vertrag wird nicht automatisch in ein Altersvorsorgedepot umgewandelt. Für vor 2027 abgeschlossene Verträge ist Bestandsschutz vorgesehen. Sie können grundsätzlich nach den bisherigen Förderregeln weitergeführt werden.
Je nach gesetzlicher Ausgestaltung kann ein Wechsel in das neue Fördersystem oder eine Übertragung des Kapitals möglich sein. Dabei können Kosten entstehen. Nach einem Wechsel in das neue System ist eine Rückkehr zur bisherigen Förderung voraussichtlich nicht vorgesehen.
Vor einer Entscheidung sollten deshalb bestehende Garantien, Abschlusskosten, laufende Kosten, Förderansprüche und mögliche Übertragungskosten verglichen werden. Mehr dazu erklären wir im Beitrag Riester-Vertrag 2027 behalten oder wechseln?.
Ist das Altersvorsorgedepot für jeden geeignet?
Das Altersvorsorgedepot kann besonders für Menschen interessant sein, die einen langen Anlagehorizont haben, Wertschwankungen aushalten können und bewusst höhere Kapitalmarktchancen nutzen möchten.
Weniger passend kann es sein, wenn:
- die Auszahlungsphase bereits nahe ist,
- Verluste finanziell oder emotional kaum tragbar wären,
- eine feste Garantie besonders wichtig ist,
- ein bestehender Vertrag wertvolle Garantien enthält,
- die Kosten des neuen Angebots zu hoch sind.
Prüfpunkte vor einem Abschluss oder Wechsel
Vor einer Entscheidung sollten mindestens folgende Punkte geklärt werden:
- Wie lange läuft der Vertrag noch bis zur Auszahlung?
- Welche Schwankungen kann ich finanziell tragen?
- Welche Garantien besitzt mein bestehender Vertrag?
- Welche Fonds und ETFs stehen tatsächlich zur Verfügung?
- Wie hoch sind sämtliche Vertrags- und Fondskosten?
- Wie funktioniert die Risikoreduzierung vor Rentenbeginn?
- Welche Förderung kann ich persönlich erhalten?
- Welche Folgen hätte ein Anbieter- oder Systemwechsel?
Fazit
Das Altersvorsorgedepot erweitert die geförderte Altersvorsorge um eine kapitalmarktorientierte Lösung. Der Verzicht auf eine verpflichtende Kapitalgarantie kann höhere Renditechancen ermöglichen, führt aber auch zu stärkeren Schwankungen und möglichen Verlusten.
Ob das Altersvorsorgedepot, das Standarddepot oder ein Garantieprodukt besser passt, hängt von Anlagehorizont, Risikobereitschaft, Kosten und der persönlichen Vorsorgesituation ab. Eine Produktzertifizierung bestätigt lediglich die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen. Sie ist kein Qualitätssiegel und keine Renditegarantie.
Mit unserem Riester-Check können bestehende Verträge zunächst strukturiert eingeordnet werden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung.
Quellen & Transparenz
Hinweis & Transparenz
Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersten Orientierung. Sie stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung, Rechtsberatung oder Versicherungsberatung dar. Ob eine Förderung, ein Steuervorteil, ein Wechsel oder eine andere Vorsorgeentscheidung sinnvoll sein kann, hängt von deiner persönlichen Situation und dem konkreten Vertrag ab und sollte individuell geprüft werden.